Liebe Feel the World Traveler, liebe Feel Myanmar Fans,

Meine nicht weit zurückliegende Heimkehr aus Myanmar (15.10.2018) möchte ich nutzen um euch einen aktuellen LIVE-Eindruck über das Land, die Kultur und die aktuelle Sicherheit übermitteln zu können. Derzeit wird in den Medien so oft über die Rohingya-Problematik berichtet.

Wichtig ist mir bei diesem LIVE-Bericht, dass ich die Problematik des Landes weder mit meinem Text noch mit meinem Video herunterspielen oder reduzieren möchte. Mir ist durchaus bewusst, dass Unterdrückung von Rassen, Minderheiten und Schwächeren in jedem Land der Welt kein angemessener und von Feel the World Travel unterstützter Umgang sind. Dieser Zustand ist keine Situation die wir oder ich persönlich gut heißen und/oder für Belanglos halten. Ganz im Gegenteil, wann immer es geht setzen wir uns für Minderheiten ein und versuchen diese über hochwertig organisierte Hilfsprojekte zu unterstützen. Gelangen wir in die Situation in der wir Einfluss auf die bestehende Situation nehmen können, nutzen wir gerne unsere erlangte Bildung/Möglichkeiten um Bevölkerungen und Gesellschaften aufzuklären und/oder wach zu rütteln.

In meinem Bericht möchte ich besonders auf meine Reiseerfahrung in Myanmar eingehen. Auf die Erlebnisse die ich während meiner 4 Wochen ohne als auch mit der Feel the World Reisegruppe gesammelt habe.

Gespräche mit den lokalen Menschen

In den Gesprächen mit den lokalen Menschen, ob während oder außerhalb der Feel Myanmar Abenteuerroute, ist mir und meinen Mitreisenden eine Frage besonders häufig gestellt worden.

„Wo sind die Touristen aus dem letzten Jahr geblieben?“

Einheimische fragten mich dies mit erwartungsvollen Augen und man sah ihren Gesichtern an, dass ihnen die Antwort ferner lag als ich mir dies zuvor hätte vorstellen können. Fast reflexartig sprach ich die Rohingya-Problematik an und schilderte wie selbstverständlich wie die Situation in unseren westlichen Medien dargestellt würde. Daraufhin erwiderten die freundlichen Burmesen voller Erstaunen: „Aber wieso? Fühlst du dich unsicher? Spürst du eine Gefahr in meinem Land?“

Fast eingeschüchtert und gleichzeitig entschuldigend antwortete ich mit: „NEIN“. Und mir war als verurteilte ich einen Menschen zu Gewalt der die friedlichsten Absichten hatte die ich mir jemals hätte vorstellen können. In dieser Situation fühlte ich mich, trotz meiner großen Auslandserfahrung, etwas überfordert/unsicher, da ich nicht für mich nachvollziehbar begründen konnte wieso Menschen aktuell skeptisch gegenüber seinem/ihrem Heimatland sind, sogar Angst haben sein/ihr eigenes Land zu besuchen. Gerade wo ich, entgegen der westlichen Medienberichterstattung, während meiner ersten Tage im Land, alles als so extrem freundlich und sicher wahrgenommen hatte.

Entlassen wurde ich aus meinem unsicheren Grundgefühl durch das darauffolgende breite Grinsen meines sympathischen Gegenübers der/die mir anschließend voller Herzlichkeit sein/ihr Land zeigen wollte, ohne dabei auch nur im geringsten den Eindruck des erwarteten finanziellen Gegenwerts zu vermitteln.

Die Frage danach: Fühle ich mich unsicher in Myanmar?

In der Reisegruppe vergaßen wir diese Fragen jedoch nicht und sprachen abends bei köstlichem burmesischen Essen und fruchtigen Getränken über die Tagesgespräche.

Fühlten wir uns unsicher in Myanmar? War unsere Antwort gegenüber den Einheimischen nachvollziehbar?

Manche meiner Reiseteilnehmer sprachen sogar davon, dass sie sich teilweise sicherer fühlen würden als in anderen Urlaubsländern, da sie weniger ge- und bedrängt würden. Das Land sei touristisch einfach noch nicht so weit entwickelt, aus diesem Grund würden Straßenhändler und Taxifahrer noch nicht die Raffinessen anderer touristischer Länder kennen und seien weniger aufdringlich. Dies trage auch zu einem angenehmen Sicherheitsgefühl in Myanmar bei.

In unseren unterschiedlichsten Gesprächen mit den Einheimischen fiel uns auf, dass viele kleine Familien aufgrund des touristischen Wachstums der letzten Jahre Jobs und Arbeitsverhältnisse wechselten. Eine Fabrikangestellte eröffnete nun ihren eigenen Waschsalon für Touristen und der Handwerker kaufte sich einen Bus und fuhr Touristen zu den Fähranlegehäfen. Diese Menschen sahen ihre Chance im Tourismuswachstum der letzten Jahre. Seit der bekannter werdenden Rohingyaproblematik sind es gerade diese kleinen Familien die darunter leiden, das der weitere Besuch von Travelern im Land ausbleibt.

Die Rohingyasituation: das Problem

Doch was ist die Rohingya-Problematik überhaupt? Und wieso wird diese in den Medien wie beschrieben dargestellt?

Kurz gefasst kann man die Situation wie folgt beschreiben:

Die Rohingya sind eine von insgesamt 138 Minderheiten in Myanmar und leben im Nordwesten des Landes, unmittelbar an der Grenze zu Bangladesch, im Staat Rakhine. Myanmar, als Land ca. doppelt so groß wie Deutschland, akzeptiert die Rohingya nicht als eigenständige Volksgruppierung mit einem eigenen Staat in dieser Region. Das Nachbarland Bangladesch sieht dies ebenfalls so und so werden die Rohingya trotz geäußerten Anspruchs auf ein eigenes Stück Land zwischen den beiden Ländern Myanmar und Bangladesch, von beiden Regierungen gewalttätig verfolgt und unterdrückt.

In etwa ist diese Situation mit Katalonien und Spanien vergleichbar, nur das die spanische Regierung bislang „Gott sei Dank“ ohne Gewalt gegen die vermeintlichen Revolutionäre Kataloniens vorgeht.

Der große Unterschied der beide Länder ist, dass Myanmar 138 dieser unterschiedlichen Minderheitsgruppierungen aufweist. Sollte also eine Minderheit ihre Eigenständigkeit erhalten, besteht die Gefahr, dass 137 weitere Minderheiten ebenfalls mit einem revolutionären Aufstand beginnen würden.

In Spanien hat diese Revolte bereits mit der Terrororganisation ETA und dem Baskenland aus den 1990er Jahren Tradition, Europa und die spanische Regierung sind jedoch auch aus den selben Gründen wie Myanmar daran interessiert, dass einzelne Regionen nicht in eine erneute Eigenständigkeit verfallen um eine gesamtwirtschaftliche Stabilität in Zeiten der Globalisierung zu gewährleisten.

Dass gewalttätige Handlungen dabei der falsche Ansatz zur Durchdringung der eigenen Interessen sind, steht für uns von Feel the World Travel hierbei außer Frage.

Wieso spürten wir sie nicht? Die Gefahr der Rohingya

Gott sei Dank spürten wir sie nicht – die Gefahr des Krieges und der Auseinandersetzungen während unserer Rundreise. Die geschilderte Wahrnehmung meinerseits und unserer Teilnehmer während unserer Feel Myanmar Abenteuerreise basiert vermutlich auf der Größe des Landes und den Regionen die wir während unserer Rundreise besuchten.

Auch wir kommen während unserer Abenteuerreise am Ende in den besagten Staat der Rohingya, nach Rakhine. Jedoch ist unsere bereiste Region um Ngapali Beach immer noch über 500km von dem Gefahrengebiet der Rohingya, nahe der Grenze zu Bangladesch, entfernt. Wir erleben am wunderschönen Strand das vollkommene Kontrastprogramm zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Auch hier wurden wir wieder verwunderlich gefragt wo die Touristen denn blieben und versuchten den Menschen die Wahrnehmung im Westen näher zu bringen.

Würden wir es in Zahlen ausdrücken könnte man sagen, dass in ca. 10% der Landesfläche, der Grenze zu Bangladesch, eine beängstigende Situation vorherrscht und von Besuchen in diese Region abgeraten werden sollte. Jedoch leiden ca. 90% des großen Landes Myanmar unter den Neuigkeiten die aus ca. 10% des Landes nach außen dringen, durch ein Ausbleiben der möglichen Reisenden. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass ein Land erst Recht in solchen Situationen wirtschaftliche Beständigkeit benötigt, damit die Mehrheit der Gesellschaft weiterhin genügend Einkommen für Bildung und eine solide Gesundheitsversorgung hat.

Klingt Suspekt: unser Vorteil

Aufgrund der derzeit ausbleibenden Anzahl Reisender ergibt sich suspekterweise ein Vorteil den wir als Reisegruppe am Ende unseres Abenteuers erkannten und festhielten. So unberührt wie aktuell wird man vermutlich selten die Möglichkeit haben ein noch unterentwickeltes Land zu besuchen. Verlassene Strände, authentisch anmutende Dörfer inmitten unbebauter Natur, einsame Buchten und die Möglichkeit nur mit Einheimischen in einem lokalen Restaurant zu sitzen, diesen besonderen Flair bietet Myanmar wahrscheinlich gerade deshalb, weil die News aus 10% des Landes 90% der touristischen Nachfrage aktuell zurückhalten.

Dabei freut die Einheimischen nichts mehr, als endlich wieder möglichst vielen Reisenden „Mingalabar“ (Hallo) sagen zu können.

Vergleiche unsere Feel Myanmar Abenteuerreise auch mit unseren weiteren Feel the World Touren.

Unsere Abenteuerreisen

Alex

Alex

Feel the World Guide & Gründer bei Feel the World Travel
Als Gründer von Feel the World bin ich heute zumeist hinter den Kulissen aktiv, um den reibungslosen Ablauf unserer Abenteuer zu gewährleisten. Ab und zu nutze ich jedoch die Gelegenheit für einen intensiven Perspektivwechsel, lasse den Schreibtisch hinter mir und begleite unsere Touren selbst als Guide. Hier berichte ich euch von meinen Erlebnissen vor Ort. ;-)
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