Mir ist gerade fast ein Motorrollerfahrer über den Fuß gefahren. Ich sitze in einem kleinen Café gegenüber meines Hotels in Bangkok. Also, eigentlich sitze ich nicht darin, sondern davor. Aber schon an einem der Tische. „Drinnen“ scheint hier sowieso nicht so zu existieren wie in Deutschland. Es gibt ein paar Wände und ein Dach, aber der Großteil des Cafés ist offen. Und kleine Bäume wachsen innen oder außen oder daneben und sind mehr oder weniger Teil dessen. Weshalb ich auch weder richtig im Café noch richtig auf der Terrasse sitze. Und die Terrasse ist auch nur ein bisschen die Terrasse und sonst auch viel Bürgersteig. Und die angrenzende Straße, deren Asphalt etwas brüchig und löchrig ist, ist demnach sehr nah an meinem Stuhl und an die Fahrspuren scheint sich hier auch niemand so recht zu halten. Ich habe meinen Fuß ein Stück zu weit ausgestreckt und naja… mir ist gerade fast ein Rollerfahrer über den Fuß gefahren.

Was möchte ich mit diesen wirren Worten ausdrücken?

Wäre mir dieser Rollerfahrer nicht fast über den Fuß gefahren, hätte es wohl wesentlich länger gedauert, bis ich realisiert hätte, dass ich in Bangkok saß.

Im November 2016 bin ich das erste Mal mit Feel the World gereist. Ich bin das erste Mal allein geflogen. Das erste Mal mit einer Reisegruppe unterwegs gewesen. War das erste Mal außerhalb Europas. Und in diesem Moment, in dem ich mit völlig Fremden in einem Café saß, die Luft um mich warm und dicht, kleine Laternen hingen in den Ästen saftig grüner, exotischer Bäume und trotzdem so viele hohe Gebäude, so viel Stadt, so viel Masse und Gewusel um mich herum… brauchte ich noch diesen Hauch mehr an Ungewohntheit um zu begreifen, dass ich da war.

Mein erstes Foto, das ihr oben seht, habe ich erst abends gemacht, als ich mich etwas gesammelt hatte. Es ist leider verschwommen, aber ich finde, genau das unterstreicht wunderbar wie überwältigt ich mich gefühlt habe. Auf eine gute Art. Auf eine freie Art. Auf eine „Ich bin Alice im Wunderland!“-Art.

Manu, unser Feel the World Guide, führte uns in ein kleines Lokal, dass auch wenig Wände und dafür viel Grün beinhaltete und in dem wir uns die Schuhe ausziehen mussten, um auf den Sitzkissen um den niedrigen Tisch herum Platz nehmen zu können. Das erste Mal saßen wir alle zusammen: Manu, neun Mitreisende und ich. Das war das letzte Mal, dass ich diese drei Instanzen trennte. Denn wir wurden innerhalb kürzester Zeit einfach „wir“.

Falls ihr jemals eine Feel the World Reise bucht, merkt euch dieses Gefühl. Den Moment, in dem ihr ankommt. Nicht am Flughafen, sondern im Augenblick. Den Moment, in dem ihr die Fremden um euch herum anschaut und euch fragt, wie es wohl wird mit ihnen herumzureisen. Merkt euch den Moment, in dem sich die Luft um euch herum anders anfühlt als Zuhause. In dem die Stimmen anders klingen, als ihr es kennt. Den Moment, in dem ihr das erste Mal fremde Gewürzkombinationen auf der Zunge habt. Den Moment, in dem ihr nicht einschätzen könnt wie viel Trinkgeld ihr geben solltet, weil ihr mit der Währung noch zu unerfahren seid und die Geldscheine für euch aussehen wie Spielgeld. Den Moment, in dem euch fast ein Rollerfahrer über den Fuß fährt und den Moment, in dem euch das erste Mal jemand anlächelt, weil ihr euch gerade hölzern in einer fremden Sprache bedankt habt.

Nach drei Reisen dieser Art kann ich euch versichern:

All diese Fremden, werden innerhalb der nächsten Tage zu euren besten und liebsten Wegbegleitern werden. Am Ende der Reise werdet ihr euch fragen, wie es sein kann, dass ihr euch erst so kurze Zeit kennt. Ihr werdet unglaublich viel miteinander erlebt und gesehen, Running Gags entwickelt und gelacht haben. Erlebnisse, die ein Jahr füllen könnten, komprimiert auf wenige Tage. Deshalb wird euch die Reise gleichermaßen vorkommen, als hätte sie schon ewig und doch nur einen Augenblick gedauert. Aber das ist in Ordnung, denn ihr werdet viele besondere Momente im Gepäck haben, wenn ihr zurück fliegt. Momente, die euch niemand mehr nehmen kann. In denen ihr ausgelassen, still, ehrfürchtig oder berührt wart. Gänsehaut hattet, einfach mal nicht nachgedacht habt, überrascht wurdet oder für den Moment „nur“ glücklich und „nur“ da wart.

Von ein einigen meiner persönlichen besonderen Momente möchte ich euch gerne in meinen nächsten Blogartikeln erzählen.

Und davon, dass ich gelernt habe an den folgenden Spruch zu glauben, der bei vielen eher zu Augenrollen als zu Kopfnicken führt:

Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat.

Und ich kann mir kaum etwas Bereichernderes vorstellen, als diesen Satz immer wieder aufs Neue Realität werden zu lassen.

Gina Gerke

Fasziniert von Menschen, Momenten, Worten und von der Idee andere zu bewegen und einen Unterschied auf dieser Welt zu machen. Mit meinen Blog-Artikeln kann ich all das verbinden und euch an besonderen Augenblicken meiner drei Abenteuerreisen mit Feel the World teilhaben zu lassen.
Gina Gerke

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