Tag 40, Jalan Raya Semer, Kerobokan, Bali, gegen 21 Uhr. In meiner neuen Heimatstraße machte ich mich auf den Weg, um noch einen abendlichen Snack zu bekommen. Ein kleines Warung, eine indonesische Straßenküche, mit fahlem, gelbstichigem Licht zog mich an. Ich parkte meinen Roller, bückte mich um mir nicht den Kopf an dem viel zu niedrig hängenden Werbebanner zu stoßen und trat in das zur Straße hin offene Zimmer. Das einzig feilgebotene Gericht war Bakso, eine Suppe mit Fleischbällchen, wahlweise mit oder ohne Hühnerfüße. Ich entschied mich gegen die schwimmenden Krallen, dafür aber für Sambal, die sehr scharfe indonesische Chilipaste, die zu schier jedem Gericht gereicht wird.

Ein kleiner Junge, vielleicht war er fünf oder sechs, fing an sich für den einzigen Europäer im Laden zu interessieren und spielte, erst zaghaft, dann etwas enthusiastischer aber ohne den wohlweislichen Sicherheitsabstand zu überschreiten mit mir verstecken unter den Tischen und Hockern. Seine Eltern hatten das Schauspiel mit einem Lächeln beobachtet und goutierten es, indem sie mich baten, neben ihnen Platz zu nehmen. Es dauerte nicht lange, bis auch die Warung-Besitzer am Tisch saßen. Keiner der Anwesenden Balinesen sprach ausreichend Englisch und mein Bahasa Indonesia war noch nicht gut genug um eine flüssige Konversation zu führen.

Travel Blog - Feel Bali - BegegnungenDen kleinen Jungen störte das wenig und so erzählte er mir minutenlange Geschichten in monologform. Ich verstand Schlagwörter, doch weder Sinn noch Kontext erschlossen sich mir. Es war auch egal, er hatte Freude daran mit einem seltsamen Fremden zu sprechen und ich hatte Freude zu sehen, mit welchem Eifer er versuchte mir die wichtigste Geschichte der Welt begreiflich zu machen. Als die Erwachsenen englische Begriffe wie „fish“, „crocodile“, oder „ghost“ zur näheren Erläuterung einwarfen, konnte ich wenigstens erahnen um was es ging. Die Atmosphäre war freundlich, ja fast freundschaftlich obwohl ich diese Menschen vor ungefähr 15 Minuten getroffen hatte und mich kaum mit ihnen verständigen konnte. Wie war das möglich?

Als der Warung-Besitzer schwarze Paste auf seine Kretek, indonesische Zigaretten mit geschroteten Nelken und gesüßtem Filter die beim Rauchen wunderbar knistern und einen süßlich-schweren Duft auf der ganzen Insel verbreiten, zu verreiben begann, fand ich auf Anfrage heraus, dass er es sich dabei um den Kaffeesatz seines geleerten Kopi Bali handelte. Natürlich wurde mir sofort Angeboten zu probieren und wenn man nicht für solche Momente in ferne Länder reist, wozu dann?

Also rauchte ich die mit Kaffeesatz verfeinerte Nelkenzigarette mit dem Warung-Chef und spürte mein Herz schneller pochen. War es der Kaffee, auf den ich unter normalen Umständen schon stark reagiere oder war es einfach diese faszinierende Situation, die sich aus einem Zufall heraus ergab? Als ich realisierte, dass mehr Zeit vergangen war als ich dachte, entschloss ich mich zu bezahlen und heimzufahren. Ich tat meinen Vorhaben kund und wurde sogleich für den nächsten Abend eingeladen, wieder vorbeizuschauen.

Fortsetzung folgt…

Hier geht’s direkt zum zweiten Teil der Story: Begegnungen bei Bakso – Teil 2 🙂