Du hast den ersten Teil der Story verpasst? Dann empfehlen wir dir, diesen noch schnell zu lesen bevor du hier loslegst! ;-) 

So kam es, dass ich mich am darauffolgenden Abend gegen 19 Uhr wieder im „Warung Bakso“ einfand. Ich durfte an einem langen Tisch parallel zur Straße Platz nehmen. Nach der obligatorischen Suppe blieb ich sitzen und wartete. Auf was, wusste ich nicht. Als die Kundschaft nachließ, setzten sich die Besitzer an meinen Tisch und wir versuchten eine Konversation aufzubauen, als mich eine Frau in nahezu perfektem Deutsch ansprach. Eine Indonesierin, die 13 Jahre als Au-Pair in Bremen lebte. Von da an fungierte sie als eine Art Dolmetscherin, wenn immer es Verständigungsschwierigkeiten gab. An diesem Tag kam ich allerdings schon bewaffnet mit meinen Indonesisch-Unterlagen aus dem Unterricht und Schreibzeug, in der Hoffnung ich könne neue Worte lernen und die schon gelernten verwenden. Bis heute verbinde ich mit diesem Abend das Wort ‚matahari‘, Sonne.

Es kamen immer mehr Freunde und Bekannte der Warungfamilie an den Tisch. Diese machte Gebrauch vom Klischee der unheimlich gastfreundlichen Balinesen und tischte nach Ladenschluss noch frische Papaya, frittierte Nudeln und Tofu und Kaffee auf. Danach gab es auch selbstgebrannten Arak (Reisschnaps) mit Cola. Es wurde immer wieder vom Verzehr abgeraten, da es auf Bali mehrere Fälle von Methanolvergiftungen gab, insbesondere bei selbstgebranntem Schnaps. Doch der ganze Tisch trank davon und ablehnen kam für mich nicht in Frage. Mit halb mulmigen, halb dankbaren Gefühlen trank ich ein bis zwei Gläser, was vielleicht dem durch die mir entgegengebrachte Herzlichkeit hervorgerufenen Frohmut und der einhergehenden Unbekümmertheit geschuldet war.

Zwei Männer, die mit am Tisch saßen, zogen plötzlich los. Sie müssten etwas holen, meinten die anderen. Zurück kamen sie mit mystischen Steinen, magischen Fischkiefern und Halsketten zum Pendeln. Wilde Geschichten über den Ursprung und die Kraft dieser Sammelstücke wurden erzählt. Sie wurden untereinander getauscht wie Pokémon-Karten oder wie etwas andere Devotionalien. Auf einem Nokia 6020 lief ein Video mit einem schwarzen Magier, dem ich aber nicht folgen konnte. Mir kam Jimi Hendrix‘ ‚Voodoo Child‘ und Helge Timmerbergs Voodoo-Geschichten in den Kopf. Irgendwie machte es mich nervös, doch die Neugierde überwog und so lauschte ich den Erzählungen und ließ mich auspendeln. Die Leute waren immer noch unglaublich nett und freundlich und der Abend war sehr gemütlich, doch in dieser Nacht lernte ich auch die mystische, ja fast okkulte Kultur der Indonesier kennen.

Als ich nach etlichen Stunden aufbrechen wollte, zahlte ich meine Suppe und wollte Trinkgeld geben für alles was ich danach noch bekam. Die Besitzerin steckte es mir zurück und sagte: „Wer an diesem Tisch sitzt ist Freund oder Familie. Die müssen für nichts bezahlen.“

David

David

Travel Blogger bei Feel the World Travel
„Oh, I'm sailin' away, my own true love
I'm sailin' away in the morning
Is there something I can send you from across the sea
From the place that I'll be landing?“
Bob Dylan’s Frage, was er von der Reise als Souvenir schicken solle, kann ich zumindest für mich beantworten. Ich habe unglaublich viele Erlebnisse, Begegnungen und Erinnerungen von meinem halbjährigen Aufenthalt in Bali mitgebracht. Diese Eindrücke sind meine Souvenirs die ich euch gerne „senden“ möchte. Durch mein Tourismusstudium bin ich quasi zum Reisen verdammt, um die Theorie mit praktischen Erfahrungen zu fundamentieren ;) Dabei spielen für mich Attribute wie Echtheit, Eintauchen und Treiben lassen eine entscheidende Rolle. Und Musik, denn Musik schafft auf Reisen immer eine ganz besondere Atmosphäre. Also, viel Spaß beim Lesen und „selamat jalan“!