Der geheimnisvolle Katzenkaffee: Kopi Luwak

von | 15.06.2018 | Bali, Feel Culture

Ungefähre Lesezeit: 4 Minuten

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Der morgendliche Kaffee ist den meisten Europäern ein liebgewonnenes Ritual. Und Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Dass ebendiese Liebe zumindest in diesem sehr speziellen Fall ihren Anfang nicht nur im Magen, sondern noch tiefer im Verdauungstrakt ihren Ursprung hat, zeigt die folgende Geschichte rund um den weltberühmten „Katzenkaffee“:

Katzenkaffe = „Kopi Luwak“

Selbstverständlich ist mittlerweile bekannt, das Kaffee aus der Kaffeebohne stammt. Auch wissen die meisten, dass die meisten Kaffeesorten nicht in Europa, sondern in warmen tropischen Ländern rund um den Äquator angebaut werden. So zum Beispiel in Brasilien, Kolumbien, Äthopien und Vietnam – und eben auch in Indonesien. Genau dort gibt es eine ganz spezielle Art der „Produktion“, welche den örtlichen Kaffee zu einer Spezialität und gleichzeitig zum teuersten Kaffee der Welt macht: In den dortigen Kaffeeplantagen, aber auch in der freien Natur, lebt eine nachtaktive Schleichkatzenart: Die Fleckenmusangs (indonesisch: „Musang Luwak“), welche dieser Sorte des Kaffees (indonesisch: „Kopi“) den Namen geben: „Kopi Luwak“.

Katzenkaffee Kopi Luwak - Feel the World Travel

So entsteht der „Katzenkaffee“

Was haben nun aber diese drolligen Tiere mit der Produktion des Kaffess zu tun? Nun ja, das Geheimnis liegt im Appetit der Luwaks auf die Kaffekirschen, die an den Pflanzen wachsen. Diese werden von den Luwaks mit Wonne verspeist und verdaut. Dabei wird im Verdaungstrakt allerdings nur das die Bohne umgebene Fruchtfleisch, nicht jedoch die Kaffeebohne an sich verdaut. Die sich im Darmtrakt befindlichen Enzyme behandeln diese Bohne dann auf eine besondere Weise: Sodass sie, einmal wieder ausgeschieden, geschmacklich doch ordentlich gepimpt sein soll. Das zumindest behaupten die Produzenten und Verkäufer, sowie die vermeintlichen „Feinschmecker“ und Liebhaber des Katzenkaffees.

Katzenkaffee Kopi Luwak - Feel the World Travel

Der verdaute Geschmack des Dschungels

Die Einheimischen sammeln dann die Exkremente der Luwaks auf. Im Anschluss waschen und rösten sie die Bohnen leicht und schwören auf den nun „unvergleichen Geschmack“ des Kopi Luwak. Die durch die Darmfermentierung gespaltenen Proteine verwandlen sich in Aromen, die dem Kaffee die Säure nehmen und somit mild bekömmlich machen. Gleichzeitig ensteht ein gehaltvoller Geschmack, der an Sirup und Schokolade, machmal auch an erdigen Dschungel erinnern soll.

Wenn du auf die persönliche Verköstigung vor Ort verzichten kannst (oder willst…), dich aber trotzdem dafür interessierst, wie der geheimnisvolle Katzenkaffee so schmeckt: Wir können dir diesen tollen und ausführlichen Artikel und Geschmackstest über Kopi Luwak von Coffeeness empfehlen! Nach dem Lesen hast du gleich eine bessere Vorstellung vom (zweifelhaften) Geschmackserlebnis, welches dir beim Katzenkaffee entgeht. 😉

Katzenkaffee Kopi Luwak - Feel the World Travel

Die stark limitierte Verfügbarkeit

Das Problem bei der in jeder Hinsicht speziellen Produktion des Kopi Luwak ist, dass sie aufgrund der involvierten Tiere sehr aufwändig ist. Daneben ist sie auch aus Sicht des Tierwohls sehr fragwürdig und obendrein leidet die Wirtschaftlichkeit unter der geringen Produktionsmenge pro Luwak. Echter Kopi Luwak ist also sehr selten. Dieser darf nämlich laut Definition nur aus Kaffeebohnen bestehen, die von wildlebenden Fleckenmusangs gewonnen wurde.

Man stelle sich vor, wie schwierig es sein muss, im unberührten Dschungel den Kot von freilebenden Luwaks zunächst ausfindig zu machen (die Nadel im Heuhaufen wäre vermutlich leichter zu finden…). Einmal gefunden, muss der Kot dann noch von diversen anderen „Verunreinigungen“ dessen, was ein freilebendes Luwak eben sonst noch frisst, befreit werden…

Der „wertvollste Kaffee“ der Welt

Da für diesen „echten“ Katzenkaffee bis zu 50€ pro Tasse verlangt werden können, wird natürlich ordentlich gefälscht und gemogelt: Die wenigsten Varianten von Kopi Luwak, die in Indonesien oder weltweit verkauft werden, entsprechen also der eigentlichen Definition. Stattdessen kommen diese von zwielichtigen Luwak-Farmen, auf welchen Luwaks in engen Käfigen gehalten und fast ausschließlich mit Kaffeebohnen gefüttert werden. Als Resultat leidet nicht nur der Geschmack des Kaffees, sondern vor allem auch die armen Luwaks!

Trotzdem ist die Nachfrage nach (vermeintlich) echtem Kopi Luwak groß genug, sodass Kaffeeplantagenbesitzer nur zu gerne den Umweg über den Verdauungstrakt ihrer einseitig ernährten und ausgebeuteten Haustiere gehen. Immerhin können sie so ihr ansonsten durchschnittliches Produkt zu einem deutlich höheren Marktpreis verkaufen. Als Resultat findet man in den meisten Cafés auf Bali und in Indonesien auch den Kopi Luwak auf der Karte – den viele Touristen gerne als Urlaubsattraktion ausprobieren. Mit dem „echten“ Kopi Luwak hat dieser jedoch meist nichts zu tun, was man auch an dessen (recht geringem) Preis erkennen kann.

Katzenkaffee Kopi Luwak - Feel the World Travel

Die Schattenseiten der Luwak-Haltung

Der vermeintliche Luxuskaffee Kopi Luwak hat also tatsächlich einige gewaltige „Schattenseiten“: Die Luwaks sind eigentlich wildlebende Tiere, die für die massenweise Produktion des Luxusgutes Kopi Luwak ausgebeutet werden: Sie werden dabei nicht artgerecht, oftmals eingepfercht in Käfigen gehalten und monoton sowie ungesund lediglich durch Kaffeekirschen ernährt. Somit geht die Produktion des wertvollen Katzenkaffees leider in den allermeisten Fällen stark auf Kosten der Tiere, die in den Luwakfarmen ein bedauerliches Leben fristen müssen.

Um euch die Produktion des ortstypsichen Kopi Luwak als Element der örtlichen Kultur zeigen zu können, haben wir bis 2018 auf unseren Bali-Besuchen jeweils einen kurzen Zwischenstopp auf einer Kaffeefarm gemacht, die auch Kopi Luwak produzierte. Dabei gab es eine Verköstigung zahlreicher Getränke und auch die Möglichkeit, den vor Ort produzierten „Katzenkaffee“ zu bestellen. Mittlerweile haben wir glücklicherweise eine viel bessere und verantwortungsvollere Variante gefunden, euch mit der örtlichen Kaffeekultur vertraut zu machen:

Die Alternative – Fair Trade oder Bio-Kaffee

Auf unserer Feel Bali Gruppen-Abenteuerreise machen wir mittlerweile einen Zwischenstopp bei einer Familie von Plantagenbesitzern, welche sich gegen die fragwürdige Produktion des Kopi Luwak in ihrer Heimatregion verschrieben haben. Sie kaufen Luwaks aus den örtlichen Plantagen frei und entlassen diese in ein großes Freigehege, in welchem sie sich wieder artgerecht bewegen und ernähren können.

Parallel dazu bieten sie den örtlichen Kaffeebauern eine alternative Perspektive zur Kopi Luwak Produktion: Sie leiten die Farmer dazu an, beispielsweise hochwertigen Bio-Kaffee zu produzieren und unter Beachtung von ökologischen Richtlinien zu vertreiben. Bei unserem Besuch auf der Farm erfahrt ihr dann nicht nur mehr über Kaffee, sonstige Dschungelfrüchte und Gewürzpflanzen, sondern könnt mit ein wenig Glück auch eines der befreiten Luwaks im Dschungel entdecken. 😉

Katzenkaffee Kopi Luwak - Feel the World Travel

Unsere Empfehlung: Verzichte auf Kopi Luwak!

Für uns steht fest: Tierquälerei wollen und werden wir nicht bewusst unterstützen. Getreu unserem Motto Feel Responsible widerspräche dies unseren Kernwerten und nicht umsonst leisten wir an anderen Stellen umfangreiche Unterstützung für das Tierwohl in unseren Zielgebieten: Sei es durch den unterstützenden Besuch von Natur- und Tierschutzzentren, Spenden im Rahmen unseres Feel the World Hilfsbeitrags oder anderweitigen Support von örtlichen Hilfsorganisationen und -Initiativen zum Tierschutz.

Somit möchten wir gerne für die Zukunft eine positive Veränderung für die Luwaks vor Ort herbeiführen. Dies können wir im Kleinen sicherlich dadurch, dass wir keine aktive Vermarktung von Kopi Luwak unterstützen und dich ermutigen, dasselbe zu tun. Weder der Geschmack noch die „Experience“ sind es wert, dass dafür arme Tiere leiden müssen!

Was können wir noch tun?

Doch da geht doch noch mehr?! Was können wir gemeinsam tun, um einen noch größeren positiven Unterschied zu machen? Manchmal ist ja ein kleiner Anstoß der Ursprung für große Veränderung…

Doch dafür brauchen wir deine Ideen! Wenn du weißt, was wir noch tun können um den Katzenkaffee weniger populär zu machen und die Ausbeutung der Luwaks in Indonesien zu bremsen, lass es uns unbedingt wissen – wir freuen uns auf deine Anregungen!

Dein Feel the World Team

 

PS: Wenn du auf Kaffee stehst, lies unbedingt auch unseren Artikel zum Kaffee-Genuss in Vietnam! 🙂

Autor: Feel the World Travel

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