Religion in Vietnam – Woran glauben die Vietnamesen?

von | 16.02.2018 | Feel Culture, Vietnam

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Welche ist die vorherrschende Religion in Vietnam? Tatsächlich bekennt sich die große Mehrheit der Vietnamesen zu keinem Glauben, denn rund 80% der Bevölkerung sind Atheisten. Das spirituelle Leben wird aber insgesamt von den vier großen Religionen geprägt: Dem Buddhismus, dem Konfuzianismus, dem Taoismus sowie dem Christentum. In den Augen des Staates sind alle Religionen und auch der Atheismus gleichgestellt. Die Verfassung Vietnams sieht generell eine Religions-/Glaubensfreiheit vor, so lange sie nicht die Gesetze oder die Politik des Landes untergraben.

Im Religionsverständnis der Vietnamesen gibt es keine strikte Trennung verschiedener Konfessionen. Der Glauben ist zumeist eine historisch gewachsene Mischung mit vielen Aspekten unterschiedlicher religiöser Ursprünge. Im Laufe der Jahrhunderte sind Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus mit Volksreligionen und dem alten vietnamesischen Animismus verschmolzen zur sogenannten Tam Giao (dreifache Religion).

Der Buddhismus

Der Buddhismus ist eine Jahrtausende alte Lehrtradition und Religion, welche ihren Ursprung in Indien hat und von dort in die Welt hinausgetragen wurde. Nach dem Christentum, Islam und Hinduismus ist er die viertgrößte Religion weltweit. Der Buddhismus ist in Vietnam einer der bedeutendsten Religionen. Im 2. Jahrhundert fand er seinen Weg über China und Kambodscha ins Land. Es war die erste fremde Religion die in Vietnam adaptierte. Die Vietnamesen folgen dabei verschiedenen Ausrichtungen und Traditionen des Buddhismus: dem Theravâda, dem Mahâyâna, dem Zen und dem Hoa Hao.

Die beiden weit verbreitetsten sind allerdings der Theravâda Buddhismus im Süden des Landes und der Mahâyâna Buddhismus im Norden. Etwa 8 Millionen Vietnamesen leben nach der buddhistischen Lehre, wobei der Theravada-Buddhismus den größten Einfluss hat. Allerdings leben nur wenige Vietnamesen den reinen Buddhismus. Neben Buddha werden zahlreiche andere Gottheiten verehrt, man glaubt an Geister und ehrt die Ahnen. Daher wurden mit der Zeit viele religiöse Strömungen in den Buddhismus integriert.

Du möchtest noch mehr über den Buddhismus in Südostasien wissen? Lies hier unseren Beitrag zum Buddhismus in Thailand.

Der Konfuzianismus

Konfuzianismus ist der Begriff für Philosophien und politische und religiöse Vorstellungen, die sich in die Tradition des Konfuzius und seiner Schüler stellen. Der um 500 v.Chr. in China entstandene Konfuzianismus bildet ein System sozialer und politischer Moral. Er betont die Rolle von Hierarchien als Grundlage menschlicher Ordnung sowie das den Rechten und Pflichten gemäße Verhalten. Nach dem konfuzianischen Moralkodex besitzt jedes Individuum in der Familie eine klar definierte Rolle.

Der von einigen Vietnamesen praktizierte Konfuzianismus ist vor allem eine Lebensphilosophie, also mehr als eine Religion. Dabei handelt es sich um einen Art moralischen Kode, der von Konfuzius vor über 2500 Jahren gegründet wurde und dessen Regeln noch heute befolgt werden. Gewisse Ähnlichkeit damit hat der Taoismus, bei dem es darum geht, ein fragiles Gleichgewicht zu finden, welches durch Yin und Yang symbolisiert wird.

Taoismus

Christentum

Der katholische Glaube kam im 16. Jahrhundert mit französischen, spanischen und portugiesischen Missionaren ins Land. Er wurde unter Druck der französischen Kolonialherrschaft missionarisch verbreitet. Zunächst wurde er in den ersten Jahren der kommunistischen Herrschaft aktiv bekämpft, heute jedoch bemüht sich die Regierung um ein besseres Verhältnis zur katholischen Kirche. Die Katholiken repräsentieren gut 8 % der Bevölkerung. Ihre Religionsausübung ist der Kontrolle der Regierung unterworfen.

Religion in Vietnam - eine Kathedrale in Hanoi

Religiöse Minderheiten in Vietnam

Die Lehre des Cao Dai

Neben den vier großen Religionen prägen auch Minderheiten die Religion in Vietnam. Im Jahre 1926 entstand in Südvietnam die Lehre des Cao Dai, was soviel wie „der höchste Ort Gottes“ bedeutet. Die Anhänger glauben, dass die religiösen Grundprinzipien direkt von Gott übermittelt worden seien. Zu den zentralen Grundprinzipien zählen die Verehrung der Ahnen, Gewaltlosigkeit, eine vegetarische Lebensweise sowie das Ziel, sich nach dem Tod Gott im Himmel anzuschließen. Laut Schätzungen gibt es etwa 2 bis 3 Millionen Anhänger der Cao Dai-Lehre in Vietnam.

Die Hao Hao-Sekte

Die Hao Hao-Sekte basiert auf dem Buddhismus und wurde 1939 gegründet. Die Gründer der Sekte werden von den Anhängern als lebende Buddhas erachtet, die dazu bestimmt sind, die Menschheit zu erretten und Vietnam zu schützen. Statt die Religion in einem Tempel auszuüben, empfiehlt die Lehre der Hao Hao, dem Buddhismus zu Hause nachzukommen und das Geld, dass man eigentlich in den Bau von teuren Tempel gesteckt hätte, lieber den Armen zu spenden.

Heute ist die Hao Hao-Sekte eine offiziell anerkannte Religion, die etwa 2 Millionen Anhänger hat. In manchen Teilen des Mekong-Deltas gehören bis zu 90% der Bevölkerung  der Lehre der Hao Hao an.

Der Islam

Der Islam wird ebenso wie der Hinduismus von der Minorität der Cham ausgeübt. Zurzeit gibt es ca. 60.000 Moslems in Vietnam, die ihre Religion allerdings recht isoliert von der restlichen muslimischen Welt ausüben. So wird beispielsweise nur freitags gebetet; der Ramadan dauert für die Moslems in Vietnam nur drei Wochen. Im Januar 2006 wurde eine durch Spenden von Saudi Arabien finanzierte Moschee in der südvietnamesischen Dong Nai-Provinz erbaut.

Die Familie als Religion in Vietnam

Generell ist die Familie das Wichtigste im Leben der Vietnamesen. Sie ist gleichzeitig die „Religion“ der Vietnamesen, das Leben wird von einem Ahnenkult beherrscht. In jedem Haus findet sich ein Altar im Foyer mit den Bildern der verstorbenen Verwandten, mit Opfern von Früchten und Blumen sowie Räucherstäbchen. Die Seele des Verstorbenen schützt so seine Nachkommen. Ihnen wird vor allem am Ersten und 15. Tag des Monats im Mondkalender gedacht.

Das Schlimmste für einen Vietnamesen wäre es, diesen Kult nicht zu praktizieren. Die Seele des Verstorbenen wäre dann zu unendlichem Umherirren verdammt. Der Altar im Foyer ist so etwas wie das Herz des Hauses. Dies ist auch der Ort für Hochzeiten und für das Treffen großer Entscheidungen. Die Fotos der Vorfahren werden hier bis zu vierten Generation verehrt. Bis zu diesem Zeitpunkt können die Seelen wieder geboren werden.

Lies hier, wie wichtig die Familie in Vietnam ist!

#Sống lâu trăm tuổi (Hundert Jahre sollst du leben) Tet Grüße,

eure Alissa

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Autor: Alissa

Bei meinem 7-monatigen Aufenthalt in Saigon habe ich die asiatische Kultur lieben gelernt und möchte meine Erfahrungen in meinen Travel-Blog Artikeln mit euch teilen. Als Feel the World Guide begleite ich euch, damit ihr in das Leben der Einheimischen eintaucht und die Schönheit der Natur entdeckt.

Autor: Alissa

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