Die Halong-Bucht in Vietnam besteht offiziell aus 1969 Kalkfelsen die aus dem Wasser ragen. Teilweise sind sie mehrere hundert Meter hoch. Teilweise mit wunderschön dichtem Grün bewachsen. Ein Wunder der Natur. Beim Rock-Climbing habe ich in dieser Szenerie 12m geschafft. Das klingt viel niedriger als es sich anfühlt! Wirklich! Die Wände der Halong-Bucht zeigten mir beim Rock-Climbing – „Wie man einen Berg besteigt“.

Rock-Climbing als optionale Activity

Das Rock-Climbing ist eine optional zubuchbare Activity während der Feel Vietnam Erlebnisreise. Bei Feel the World Travel kann sich jeder seine Reise so spannend oder entspannend gestalten wie er es am liebsten hat. Indem er entsprechende Aktivitäten dazu bucht oder sich auch mal einen Tag Auszeit nimmt. Es gibt kein Pflichtprogramm. Alles kann, nichts muss.

Gibt es noch ein zurück?

Und aus irgendeinem wagemutigen Impuls heraus stand ich nun vor einer massiven Felswand der Insel Cat Ba und beobachtete gemeinsam mit Tom, dem einzigen aus meiner Feel the World Reisegruppe der sich mit mir in dieses Abenteuer hinein gewagt hatte, wie unsere Kletterguides das Sicherungsseil durch metallene Haken schlangen. Das kleine Boot, das uns hierher gebracht hatte, war wieder davon gefahren. Außer zwei Händen voll weiterer mutiger Kletterer zuzüglich zweier Guides war nichts und niemand mehr an dem einsamen kleinen Strand zu sehen. Niemand der mir noch einen Grund für eine Ausrede bot. Großartig. 

Wie war das?

„Mut ist nicht die Abwesenheit der Angst, sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als die Angst.“ (Zitat: James Neil Hollingworth)

Ja. Naja. Dieser Felsen war wohl gerade wichtiger.

Ehrlicherweise sind die Bedingungen TOLL

Und seien wir ehrlich: Passieren konnte mir mit Helm, Sicherungsseil und Guide nun wirklich nichts. Gerne würde ich dementsprechend beschönigend schreiben, dass ich voller Heldenmut den Felsen erklommen habe. Einhändig, entspannt und souverän. Auf dem Weg der Welt zu zeigen wie man einen Berg besteigt. Als eine Art Anleitung zum Feel Vietnam Rock-Climbing. Dem war leider nicht so. Aber Tom war so lieb als Erster zu klettern und mir Mut zu machen und so traute ich mich erst an die niedrigere und dann auch an die 12m-Königs-Strecke heran.

Rock-Climbing Vietnam

Aller Anfang ist bei jedem Abenteuer schwer

Außer dem Sicherungsseil gab es wirklich nur den nackten Felsen. Dieser war also die einzige Möglichkeit um uns mit Händen und Füßen daran hinaufzuhangeln. Alleine schon um erstmal einen Anfang zu finden, brauchte ich mehrere Anläufe. An einer Stelle des Aufstiegs musste ich mich sogar mit den Füßen auf der einen und dem Rücken auf der anderen Seite gegen den Felsen pressen. So konnte ich mich Stück für Stück in einer Felsspalte hinaufdrücken. Innerlich spürte ich wie das Adrenalin eines echten Abenteuers anstieg. Ich wollte herausfinden wie ich diesen Berg besteigen kann.

„doing great“ auf dem Weg nach oben

Manchmal wusste ich nicht, wo ich meinen Fuß als nächstes hinsetzen sollte, wie ich um einen Vorsprung herum kommen oder an diesem glatten Abschnitt überhaupt Halt finden sollte. Aber jedes Mal, wenn ich mit einem Kloß im Hals „I don’t know where to put my feet. Can you help me? rief, kam ein netter Hinweis von meinem Kletter-Guide. Wenn ich nichts fragte, ließ sie mich geduldig ausprobieren und wenn ich ein Stück weiter kam, rief sie motivierend „Amazing!“ oder „You are doing great!“. Ich empfehle an dieser Stelle jeder Person, der es in irgendeiner Form an Selbstvertrauen oder Selbstwertgefühl mangelt, es mal mit Rock-Climbing zu probieren. Ich habe selten so viel positive Rückmeldung für 10 cm Fortschritt erhalten 🙂

Rock-Climbing Vietnam

Das Finale vor dem Gipfel

Ich reckte mich, streckte mich, rutschte fast wieder ab, hielt mich aber glücklicherweise fest. Ich sortierte meine Beine und meine Gedanken neu, streckte mich erneut, 1, 2 cm mehr und… berührte mit meinen Fingern den Ring an dem mein Kletterseil hing.

Geschafft. Ich hatte es geschafft!

„You did it!“, kam es begeistert von unten. Zögerlich, überwältigt, jedoch auch nervös klang es aus mir heraus: „Yes! … And what should I do now?“

Ja. Was macht man, wenn man seinen persönlichen Berg bezwungen hat? „Lean back, relax and enjoy the view. Take your time.“ antwortete meine mittlerweile Klettervertraute. Ach ja. Das war ja noch etwas. Die Aussicht. Die Halong Bucht als Premieren-Kletterlocation geschenkt zu bekommen, ist so eine der paradiesischsten Kletterbeginne die man sich vorstellen kann. Andere würden einiges dafür geben in dieser traumhaft schönen Kulisse jemals die Füße in den Felsen verankern zu dürfen. Doch ich war in dieser Situation so auf das „nach oben kommen“ fixiert, dass mir gar nicht mehr präsent war, was es bedeutete oben zu sein. Eine völlig neue Perspektive. Ich lehnte mich zurück und schaute über die Bucht. Ein magischer Moment.

Klettern in Vietnam

Hellblaues, glitzerndes Wasser, Felsen – zum Teil bewachsen, zum Teil kahl-, dazwischen kleine Strände und bunte, geschäftige Boote. Daumen hoch und ein stolzes Grinsen von meinen KlettergefährtInnen unten am Strand. So fühlt man sich also beim Rock-Climbing wenn man endlich weiß wie man einen Berg besteigt.

Als unsere Gruppe uns abholte, leuchteten Toms und meine Augen immer noch vor Begeisterung und Glücksgefühlen und wir erzählten den anderen von unserem Vormittag. Wir zeigten Fotos, Videos und waren ziemlich stolz auf die Höhen die wir unter uns ließen.

Es ist schön und wichtig, im Urlaub zu entspannen

Ich möchte trotz meiner stellenweise erlebten Grenzerfahrungen jedem Reisenden empfehlen, die Option zu nutzen ab und an über den eigenen Schatten zu springen. Es lohnt sich. Und ja, durch meine mangelnde Technik hatte ich hinterher einige blaue Flecke, die aber nach wenigen Tagen nicht mehr zu sehen waren. Ehrlich gesagt habe ich mich dadurch nur umso heldenhafter gefühlt.

Das Fazit aus dem Rock-Climbing, Wie man einen Berg besteigt? Mit dem ersten Schritt beginnen, weiterklettern, Anerkennung annehmen, zurücklehnen und die Aussicht genießen.

Gina Gerke

Fasziniert von Menschen, Momenten, Worten und von der Idee andere zu bewegen und einen Unterschied auf dieser Welt zu machen. Mit meinen Blog-Artikeln kann ich all das verbinden und euch an besonderen Augenblicken meiner drei Abenteuerreisen mit Feel the World teilhaben zu lassen.
Gina Gerke