Umweltschutz: Darf man noch fliegen?

von | 28.12.2019 | Feel Responsible

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Fliegen ist häufig zwangsläufig Teil einer Reise, zumindest bei Fernreisen. Dabei stellen wir uns heutzutage immer öfter die Frage, ob eine Flugreise überhaupt nachhaltig sein kann? Dabei sollte man das Umweltproblem „Fliegen“ deutlich weitreichender betrachten. Wir sollten uns mit folgenden Fragen einmal näher beschäftigen: Warum fliegen wir überhaupt so viel? Was macht das Fliegen so umweltschädlich? und Bringt CO²-Kompensation überhaupt etwas? Diese und einige weitere Fragen möchten wir in diesem Artikel beantworten und zum Nachdenken anregen.

Warum ist fliegen so günstig?

Fliegen ist manchmal günstiger als ein Kinoticket! Im Vergleich zu einer deutlich teureren und längeren Bahn- oder Busfahrt, eine willkommene Alternative. Doch was läuft hier falsch? Wieso ist denn das umweltschädliche Fliegen oft so viel günstiger als nachhaltigere Transportmittel?

Es ist bekannt, dass man als Nutzer jeglicher Transportmittel eine Steuer auf den benötigten Kraftstoff bezahlen muss. Im Gegensatz zum normalen Benzin für Autos etc., mit einer Besteuerung von fast 70 Prozent, zahlen Fluggesellschaften für Kerosin gar keine Steuern. Auch die Bahn muss für jede Fahrkarte eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent abführen, die Airlines jedoch können fast 100 Prozent ihres Umsatzes behalten. Lediglich ein pauschaler Betrag in Form der Luftverkehrsabgabe wird bei Flügen erhoben – diese beträgt pro Passagier für Kurzstreckenflüge 8,00€, für Mittelstreckenflüge 25,00€ und 45,00€ für Langstreckenflüge. 

Kerosin ist bereits seit 1944 steuerfrei. Diese Tatsache sollte damals dazu beitragen, dass Menschen international schneller und günstiger von einem Land ins nächste Reisen können. Früher  war das vielleicht ein toller Anreiz. Heute führt es jedoch dazu, dass immer noch mehr Menschen fliegen und somit enorm zur Klimaerwärmung beitragen. Im Jahr 2018 sind rund 123 Millionen Passagiere von deutschen Flughäfen geflogen, somit wurde ein neuer deutscher Rekord aufgestellt. Und das ist nicht nur in Deutschland so: Weltweit verzeichnen Airlines und Flughäfen jedes Jahr erneut steigende Passagierzahlen!

Das liegt also vor allem daran, dass Flugtickets durch die sehr niedrige Pauschalsteuer extrem günstig sind! Das Problem von Fluggesellschaften ist jedoch auch, dass sie im Vergleich zum Monopolanbieter Bahn, sehr viel Konkurrenz durch andere Fluggesellschaften haben. Diese Konkurrenz senkt die Preise extrem nach unten. Somit entsteht ein enormer Druck, immer noch günstigere Flüge anzubieten. Hinzu kommt, dass verschiedene Fluggesellschaften von Subventionen und Staatshilfen profitieren.

Die deutsche Bundesregierung hat jedoch im Zuge ihres Klimapakets beschlossen, dass ab dem Jahr 2021 ein CO2-Preis in Höhe von 10 Euro pro Tonne CO2 bezahlt werden muss. Dieser liegt nur leider deutlich niedriger als der in anderen Staaten eingeführte Preis. Beispielsweise in der Schweiz mit 80 Euro pro Tonne oder Schweden mit 115 Euro pro Tonne. In den folgenden Jahren bis 2025 soll dieser Preis dann bis auf 35 Euro pro Tonne ansteigen. 

Fehlende Anreize zur CO²-Reduzierung

Leider gibt es also auf internationaler Ebene aktuell noch keine Ansätze, wie man CO²-Emissionen aus der Luftfahrt einschränken könnte. Stattdessen wird die Flug-Industrie weiterhin massiv mit Steuergeldern gefördert! Wirklich erschreckend – denn es ist schon sehr lange bekannt, dass Fliegen hohe CO²-Emissionen verursacht. Wenn sich das weiter so entwickelt, sind Flugreisen nach Schätzungen des Öko-Instituts bis zum Jahr 2050 für 22% der Erderwärmung verantwortlich.

Wenn aber die Steuervorteile und Subventionen wegfallen würden und dafür eine europa- bzw. weltweite Kerosin-Steuer eingeführt werden würde, müssten Fluggesellschaften für die Tickets realistische Preise verlangen. Das hätte natürlich zur Folge, dass Flugtickets teurer würden! Dann würde man allerdings voraussichtlich zum einen bewusster fliegen und endlich ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis zu beispielsweise Bahnreisen entstehen.

Da wir aktuell jedoch noch weit von einem realistischen, politischen Lösungsansatz entfernt sind, sollte man als Flugreisender momentan vor allem in seinen eigenen Möglichkeiten auf sein Verhalten achten. Man kann bewusster fliegen und alle zusätzlichen Anfahrtswege oder Wege im Urlaubsland mit einem nachhaltigeren Transportmittel, der Bahn oder dem gemeinsamen PKW fahren. Denn Tatsache ist, im Verhältnis gesehen wird zu viel geflogen!

Wer gerne wissen möchte, wie viel gerade in diesem Moment geflogen wird, der sollte einen Blick auf die Homepage flightradar24 werfen. Über die Messung auf der Seite wird man sich der Problematik ein weniger klarer bewusst! Verständlicherweise wollen wir aber nicht vollständig auf das Fliegen oder den verdienten Urlaub verzichten. Wir lieben die einzigartigen Eindrücke von fernen Ländern und wachsen als Persönlichkeit auch anhand dieser Erfahrungen. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Möglichkeiten die CO²-Emissionen seines bewusst ausgewählten Fluges zu kompensieren.

Was ist CO²-Kompensation überhaupt?

Mit jedem Flug vergrößert sich dein CO²-Fußabdruck! Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ist der CO²-Ausstoß von Flugzeugen enorm hoch. Verglichen mit der Bahn ist der pro-Kopf Verbrauch von CO² bei Flügen innerhalb Deutschlands bis zu 10 Mal so hoch. Doch nicht nur die CO²-Emissionen aus verbranntem Kerosin sind problematisch. Auch Kondensstreifen und Schleierwolken tragen zur Erwärmung bei und entstehen dann, wenn ein Flugzeug eine gewisse Flughöhe erreicht hat. Heutzutage ist es möglich, diese Auswirkungen in Form des eigenen „CO²-Fußabdrucks “ innerhalb kürzester Zeit zu berechnen. 

Bei der Kompensation wird der berechnete CO²-Ausstoß deines Fluges durch eine Ausgleichszahlung „ausgeglichen“ bzw. verringert. Das geschieht indem der Betrag der Ausgleichszahlung in Klimaschutzprojekte investiert wird, welche an einer anderen Stelle die gleiche Menge CO² einsparen und binden. Dafür gibt es verschiedene bekannte Anbieter, wie beispielsweise myclimate, atmosfair oder mindfulflights. Diese zeichnen sich durch hohe Transparenz und CDM Gold-Standard zertifizierte Projekte aus. Die ausgezeichneten Projekte haben eine besonders positive Auswirkung auf die lokale Bevölkerung und das Klima.

Um die Erderwärmung nicht weiter voran zu treiben, wurde bis zum Jahr 2050 ein „Emissions-Budget“ von insgesamt 750 Milliarden Tonnen CO² festgelegt. Das bedeutet, dass jedem Menschen ein „klimaverträglicher Ausstoß“ von 2.3 Tonnen CO² pro Jahr zusteht. Das Problem ist nur, dieses Ziel wird bereits mit einem Langstreckenflug überschritten. Aber auch mit zwei Kurztrips aus Deutschland nach beispielsweise Madrid wäre bereits die Hälfte des klimaverträglichen Ausstoßes verbraucht.

Ist CO²-Kompensation sinnvoll oder nur Ablasshandel?

Das Prinzip der Kompensation klingt anfangs ein wenig einfach: Ein bisschen Geld bezahlen, nachhaltige Projekte unterstützen und schon kann man so weitermachen wie bisher!? Doch dieser Gedanke sollte bei der Kompensation nie im Vordergrund stehen. Es muss klar sein, dass es immer die beste Wahl ist, auf das Fliegen zu verzichten oder dieses zumindest zu reduzieren. Da das nicht immer möglich ist, ist Kompensation sicher kein Ablasshandel, denn jede ausgeglichene bzw. kompensierte Flugreise ist besser, als jede nicht kompensierte Reise! Das Einsparen von CO²-Emissionen spricht also eindeutig für die Kompensation von CO². Des Weiteren gibt es aber auch noch weitere gute Gründe den Fußabdruck eines Fluges zu kompensieren:

  • Besser jetzt als später: Wir kennen die ökologischen Folgen, die auf uns zukommen werden. Daher ist es von enormem Vorteil, jetzt bereits zu handeln und CO² einzusparen. Lieber jetzt als erst in 20 Jahren. Vielleicht wäre dann schon viel zu spät. Natürlich wird Kompensation nicht alle unsere Klimaprobleme lösen können. Dennoch kann es einen sinnvollen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele darstellen.
  • Bewusstseinsbildung: Kompensation bewirkt, dass die Auswirkungen des Fliegens überhaupt erst für jeden greif- und messbar gemacht werden. Jeder, der Interesse an verursachten Emissionen hat, kann seinen CO²-Abdruck infolge des Flugs errechnen. So denkt man bestenfalls auch darüber nach, ob denn ein Flug überhaupt notwendig ist.
  • Technologietransfer: Mit der Kompensation ist auch der Transfer von Technologie von den Industrieländern in Entwicklungsländer verbunden. Je nach Qualität der Projekte, kann dieser Technologietransfer einen sinnvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gastländer leisten. Insgesamt ist die Kompensation für Schwellen- und Entwicklungsländer förderlich und schärft das allgemeine Bewusstsein für den Klimawandel. Er sollte jedoch nicht als eine Einladung zur weiteren Verschwendung angesehen werden!

Bei der CO²-Kompensation besteht jedoch auch die Gefahr, dass Menschen ihr Flugverhalten in Zukunft nicht ändern. Menschen sehen somit eventuell eine Möglichkeit mit einem besseren Gewissen weiter zu fliegen. Im schlimmsten Fall könnte es sogar so weit gehen, dass Menschen immer noch mehr fliegen als zuvor. Genau diesen Kritikpunkt hat erst vor Kurzem die junge Klima-Aktivistin Greta Thunberg aufgegriffen und CO²-Kompensation als „Bluff“ bezeichnet, der eventuell mehr schaden könnte als dass er nützt. 

Leider ist bei einigen Kompensationsanbietern auch oft nicht ganz klar, was mit den gespendeten Beträgen passiert und in welche Art von Projekten investiert wird. Andere Anbieter siedeln sich in Steuer-Oasen an und sind rein gewinnorientierte Unternehmen. Genau deswegen sollte man auch die Seriosität der Kompensations-Anbieter genau prüfen. Eine Prüfung erleichtert die richtige Entscheidung. 

Fazit: Entweder nicht fliegen oder kompensieren!

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Thema der CO²-Kompensation absolut keine einfache Herausforderung ist. Wie so häufig in der Welt, gibt es mehr als nur eine richtige Sichtweise auf das Thema. Während die vorhandenen Kritikpunkte am CO²-Ausgleich von Flügen durchaus stichhaltig sind, gibt es auch viele starke Argumente dafür. Am besten bildest du dir deine eigene Meinung, wie du dem Thema Fliegen und Kompensation gegenüberstehst. 

Wir finden dass es am besten ist, Flüge generell zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Denn die CO²-Ausstöße von Flugzeugen sind im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln wirklich enorm hoch. Wenn man einen Flug nicht umgehen kann, sollte man seinen eigenen CO²-Ausstoß über einen der vielen ausgezeichneten und souveränen Anbieter kompensieren. Dies ist dann immer noch die beste und umweltfreundlichste Wahl, anstatt die negative Klimawirkung komplett zu ignorieren. Zu kompensieren geht schnell und ist gerade bei Kurzstreckenflügen mit einem geringen finanziellen Aufwand verbunden. Bedenken sollte man trotzdem immer, dass CO² Kompensation im Vergleich zum weniger Fliegen nur die zweitbeste Lösung ist.

Wer also in Zukunft verreisen möchte oder eine Feel the World Abenteuerreise mit uns macht, sollte über das Thema Fliegen und Kompensation nachdenken und im besten Fall seinen CO²-Ausstoß ausgleichen. Nur so können wir ein Bewusstsein für die Problematik schaffen und zum Erhalt der Welt beitragen, die wir doch alle so gerne fühlen! Und nicht nur beim Fliegen können wir durch bewusste und nachhaltige Entscheidungen unseren negativen „Fußabdruck“ reduzieren, sondern auch an vielen anderen Punkten einen positiven Unterschied machen. Wie das möglich ist, erfährst du z.B. in unseren 7 Feel the World Tipps zum nachhaltig Reisen

Let’s travel responsibly! 😉

Autor: Vanessa Merk

Studentin an der Hochschule Heilbronn mit dem Schwerpunkt Tourismus & Nachhaltigkeit. Derzeit Werkstudentin bei Feel the World mit genau diesem Schwerpunkt. 😉

Autor: Vanessa Merk

Studentin an der Hochschule Heilbronn mit dem Schwerpunkt Tourismus & Nachhaltigkeit. Derzeit Werkstudentin bei Feel the World mit genau diesem Schwerpunkt. 😉

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