Was der Putsch in Myanmar für die Locals bedeutet

von | 04.02.2021 | Feel the World News

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Die Welt blickt entsetzt nach Myanmar: In der Nacht zum 01.02.2021 haben Streitkräfte dort die Regierung gestürzt und Vertreter der Regierungspartei festgesetzt. Doch wie kam es dazu, wie begründet das Militär den Putsch in Myanmar und was sind die Auswirkungen für die lokale Bevölkerung und den Tourismus?

Was sind die Hintergründe zum Putsch in Myanmar?

Seit den Wahlen im November 2020 haben die Spannungen in Myanmar zugenommen, da die Wahlergebnisse entgegen den Interessen des Militärs waren. Die vom Militär gestützte politische Partei hat nur wenige Sitze bekommen, wohingegen die Nationale Liga für Demokratie (NLD) die große Mehrheit der Sitze gewann. Daraufhin zweifelte das Militär das Wahlergebnis öffentlich an und äußerte sogar den Vorwurf des Wahlbetrugs.

Bereits in der Nacht zum 01.02.2021, dem Tag des Putsches, nahm das Militär überall im Land Vertreter der Regierungspartei mit und setzte sie fest. Allen voran Friedensnobelpreisträgerin und De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sowie Staatspräsident Win Myint. An diesem Tag hätte das gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung in der Hauptstadt Naypyidaw zusammenkommen sollen.

Für einige Stunden waren Telefon- und Internetleitungen gekappt, über Funk und Fernsehen lief nur noch der Kanal des Militärs, Flughäfen und Banken wurden geschlossen. Wie wird es weiter gehen? Niemand weiß es. Das Militär rief den Notstand aus, der nun ein Jahr lang andauern und an dessen Ende es freie und faire Neuwahlen geben soll. Bis dahin ist Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing an der Macht.

Wie ist die Reaktion der Bevölkerung?

Viele wollen sich ruhig verhalten, um Chaos zu vermeiden. Aber es gibt auch Leute, die online protestieren und sich für den gezielten Boykott von Geschäften, die vom Militär geführt werden, aussprechen. Sie wollen dem Militär, ihren Familien und Befürwortern ein klares Zeichen senden, dass sie mit dem Putsch nicht einverstanden sind. Eine Bewegung des zivilen Ungehorsams ist entstanden und es scheint, als ob diese einige Anhänger bekommen wird. Entscheidend ist für die Bevölkerung aber, dass jeglicher Widerstand in friedvoller Weise durchgeführt wird. Damit wollen sie dem Militär deutlich zeigen, dass sie ihnen nicht gleich tun möchten.

„Es fühlt sich an, als ob das Militär unser Land mit einem Mal Jahre zurück versetzt und die Leute realisieren, dass die Ergebnisse dramatisch für ihre Träume, die Wirtschaft, die Freiheit und alle anderen Werte sein wird, für die sie gekämpft haben.“ – berichtet unsere Partneragentur aus Myanmar. Die Ereignisse sind ein herber Rückschlag für die noch sehr junge demokratische Entwicklung und die gesamte Bevölkerung, denn sie stürzen das Land wieder in einen Zustand, den es fünfzig Jahre lang ertragen hatte: Bis 2011 war Myanmar eine Militärdiktatur. Die Bevölkerung befürchtet, dass das Militär eine Rückkehr dorthin zurück anstrebe.

In Myanmar hat das Militär auch nach dem Übergang der Diktatur zur Demokratie immer mitregiert, allein dadurch, dass es sich 25 Prozent der Sitze im Parlament durch die Verfassung gesichert hat – unabhängig von Wahlausgängen. Nur unter dieser Voraussetzung hat es einer Demokratie überhaupt zugestimmt.

Was bedeuten die politischen Ereignisse für den Tourismus?

„Ich lebe seit 20 Jahren in Myanmar und das ist nicht das erste Mal, dass das Militär seine Macht zeigt. Ich finde allerdings, dass es für niemanden Sinn macht und es schlichtweg traurig ist. Es ist ein sehr großer Rückschritt und wird große Auswirkungen sowohl auf die Bevölkerung als auch auf den Tourismus haben.“ Neben den anhaltenden schwierigen Bedingungen für den touristischen Bereich durch COVID-19 erschwert sich die Lage nun noch zusätzlich.

Auch wir sind sehr traurig über diese Ereignisse, wo wir doch Myanmar als Reiseland und die Burmesen unglaublich schätzen – Lies hier unsere 8 Gründe für dein Abenteuer in Myanmar!

Proteste aus der Tourismusbranche

Auch Angestellte der Reisebranche nehmen an den Demonstrationen teil. Am 22.02.2021 ist eine Gruppe von etwa 2000 LocalGuides, Fahrern, Hotelangestellten, Mitarbeitern von Reisebüros und Reisebloggern bis zur Chinesischen Botschaft gelaufen. Abschließend protestierten sie sitzend vor dem Central Hotel, welches im Besitz des Militär ist. Der Tourismussektor in Myanmar sieht keine Zukunft unter einer Militärregierung und möchte auf keinen Fall den Schritt dahin zurück. Denn gerade die Tourismusindustrie ist in den letzten 10 Jahren zu einem florierenden Sektor gewachsen. Dies wäre sicherlich unter einer Militärregierung unmöglich.

Die Tourismusindustrie in Myanmar war schon immer sehr belastbar. In Zeiten wie diesen zeigt sie erneut, dass sie eine Gemeinschaft ist und gegen jede Herausforderung kämpfen wird.

Update: Wie ist die aktuelle Lage nach dem Putsch in Myanmar?

Etwa vier Wochen nach dem Putsch in Myanmar gibt es weiterhin zahlreiche Proteste im ganzen Land gegen das Militär. Dadurch zeigt die lokale Bevölkerung sehr deutlich, dass sie eine Regierung durch das Militär demonstrativ ablehnen. Schließlich ergaben sich vier Hauptformen von Demonstrationen:

  1. Auf Töpfe und Pfannen schlagen – Jeden Abend um 20 Uhr drückt die Bevölkerung ihren Ärger durch 15minütiges Schlagen auf Töpfe und Pfannen aus. Nach alter Tradition vertreibt man so böse Geister in Myanmar. Schätzungen zu Folge nehmen 70% der gesamten Bevölkerung an dieser Art der Demonstration teil.
  2. Civil Disobedience Movement (CDM) – Angestellte der Regierung sind in den Streik getreten, um die Funktion des Staates zu stören. Des Weiteren wollen sie dem Militär somit zeigen, dass sie nicht in der Lage sein werden, das Land zu führen. Dabei setzen diese Angestellte nicht nur ihren Job aufs Spiel, sondern riskieren auch ihre Rente und ihr Haus, weil dies meist von der Regierung gestellt wird.
  3. Gezielte Boykotte – Der Boykott jegliche Geschäfte, die dem Militär oder deren Familien angehören, soll den Militärfamilien in den eigenen Taschen schaden.
  4. Straßendemonstrationen – Überall im Land finden friedliche Demonstrationen in den Straßen der Städte statt.

Die lokale Bevölkerung möchte weiterhin alles tun, um eine Regierung durch das Militär zu verhindern. Dabei wollen sie sich auf keinen Fall unterkriegen lassen. Im Gegenteil: Je mehr das Militär versucht, sie zu stoppen, desto mehr Gegenwind bekommt es von der Bevölkerung. So sind zum Beispiel nach dem Stilllegen der Internetleitungen nur noch mehr Leute auf die Straße gegangen.

Weiterhin möglich und umso wichtiger: Virtuelle Reisen nach Myanmar

Für uns warf sich natürlich auch die Frage auf, ob durch den Putsch in Myanmar nun unsere geplante Feel the World VirtualJourney Bagan gefährdet ist. Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort ist dieses Reiseerlebnis der besonderen Art entstanden. Damit können wir unseren LocalGuides ermöglichen, ihren Job im Tourismus zumindest teilweise wieder auszuüben. Gerade in diesen schwierigen Zeiten sind doch Perspektiven enorm wichtig! Außerdem leisten wir damit einen sehr wichtigen Beitrag zum finanziellen Support der Locals.

Da die Sicherheit aller Beteiligten natürlich an erster Stelle steht, wollten wir mit der Durchführung der ersten VirtualJourney zunächst etwas abwarten. Während dessen standen wir im stetigen Austausch mit unseren Partnern vor Ort, um die Lage besser einschätzen zu können. Nun freuen wir uns umso mehr, dass die geplanten Durchläufe der VirtualJourney Bagan stattfinden können. Natürlich besteht weiterhin ein Restrisiko für eventuelle Internetausfälle.

Aber trotz aller Hindernisse ist es für uns selbstverständlich die lokale Bevölkerung gerade jetzt zu unterstützen: Dabei, ihr Einkommen zu sichern, ihrer Leidenschaft nachzugehen und für ihr Leben in einer Demokratie einzustehen! #FeelTogether

Wenn du neugierig bist, was genau hinter unserer VirtualJourney Bagan steckt, dann schau vorbei: Hier findest du alle Infos und Details! Mach dich bereit, deinem Alltag kurz zu entfliehen, deinen Entdeckergeist zu aktivieren und ein neuartiges Reisefeeling zu spüren! Wir freuen uns, wenn du dabei bist! 🙂

Dein Feel the World Team

Autor: Steffi

Als Content Creator kümmere ich mich um die Themen Blog, Homepage, SEO und alles, was mit freshen Texten zu tun hat. Als leidenschaftliche Travelerin macht es mir besonders Spaß, mich auch am Schreibtisch mit dem Reisen zu beschäftigen und die Werte von Feel the World zu teilen.

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