Reisen bildet. Diesen Spruch habe ich schon so oft gehört und ich glaube nach wie vor fest daran. Andere Orte, Kulturen, Menschen und Perspektivwechsel können uns Denkanstöße und Aha-Momente verschaffen und uns dadurch zum Besseren verändern und unseren Horizont erweitern. Ich bin inzwischen schon dreimal mit Feel the World verreist und kann all das nur bestätigen und es gibt gewiss viele, die mir zustimmen, doch dabei übersehen wir allzu leicht das Folgende:

Bei Begegnungen entsteht eine Wechselwirkung

Überall wo wir beeinflusst werden, beeinflussen wir auch. Bei einer Tour auf der vietnamesichen Insel Phu Quoc, hatte ich die Chance mir vom Van aus die Insel etwas anzuschauen und mich mit dem lokalen Guide zu unterhalten. Stellt euch eine wunderschöne Insel im Wandel vor. Traumhafte Strände mit rundgespültem, schwarzen Felsblöcken, ein Urwald, indem noch Tiger leben, herzlich lächelnde Obsthändler, die Holzwagen durch die Gegend schieben und euch mit einem großen Messer eine frische Mango aufschneiden.

Aber da liegt Müll zwischen de Felsen. Da machen neue Bars und Restaurantketten den kleinen Obsthändlern Konkurrenz. Und dann die neue Straße, die über die Insel führt. Mehrspurig, breit, schnurrgerade. Hohe Laternen und sorgsam gestutzte Blumenbeete in der Mitte, in denen fleißige Gärtner Unkraut rupfen. Mit Masken im Gesicht. Um weiß zu bleiben. Wie wir und die Menschen, die ihnen durch unsere US-amerikanisch geprägte Medienlandschaft bekannt sind. Genau dorthin würde auch diese Straße passen. Aber doch nicht hierher.

Rechts und links der breiten Straße wurde der Regenwald gerodet, um Platz für bald entstehende Hotelbunker und betonierte Parkplätze zu machen. Für die Touristenmassen, die sich in den nächsten Monaten und Jahren steigern sollen. Es gibt einen Zoo und einen Vergnügungspark, aber noch kein einheitliches Müllentsorgungs- geschweige denn Recyclingsystem. Noch nicht, versicherte mir der Guide auf meine Nachfragen hin. Ebenso betonte er, dass es im Norden noch Urwald für die bedrohten Tierarten gäbe. Er stockte. Merkte wie bestürzt ich war. Über den Wandel, den ich mit auslöse.

In der nördlichen Gebirgsregion Sa Pa in Vietnam haben wir Dörfer besucht, in denen die Menschen zum Teil nur ihre Stammessprache sprechen, aber kein vietnamesisch. Hier haben die (unendlich liebevollen und gastfreundlichen) Menschen eher einen Fernseher oder ein Smartphone, als einen Kühlschrank, Schulbildung oder eine Perspektive. Sie wohnen mitten in unberührter Natur und werfen genau dort dann ihren Müll hinein. Einfach, weil sie es nicht besser wissen. Ich habe fröhliche, herzliche Kinder in thailändischen Seenomaden-Dörfern kennengelernt, denen Zahnpflege ein Fremdwort zu seien scheint, während sie die Süßigkeiten der Touristen lieben.

Auf Bali gibt es sehr wohl Container die organischen und anorganischen Müll trennen, aber in beiden lag der gleiche Müll, weil niemand genau weiß, was wo hinein gehört und weshalb das denn überhaupt relevant ist. In Canggu habe ich in einem Wellness-Salon eine junge Frau kennengelernt, die extra in diese Touristenhochburg gezogen ist um im Kontakt mit den Reisenden Englisch zu lernen und mit ihren Sprachfähigkeiten ihre Zukunftschancen zu verbessern.

In südostasiatischen Ländern, die sich eigentlich so viel gesünder ernähren als wir, gelten Fastfood-Ketten inzwischen als chic und Plastiktüten vom 7-Eleven als Statussymbol, weil unsere westlichen Medien das vorleben. Menschen, die nicht viel haben, geben ihr Geld für Nestlé-Wasser aus, weil das eine „gute Marke“ ist und trinken dabei Menschen, die noch weniger haben, ihr Wasser weg. Weil sie es nicht besser wissen. Weil unsere Medien – und wir – ihnen vorleben, dass bekannte Marken etwas sind, mit dem man sich brüsten kann.

Was ich mit all dem sagen möchte?

Reist in andere Länder. Lernt andere Kulturen kennen, nehmt bereichernde Momente mit, aber es ist wichtig, dass ihr auch bereichert. Alex hat uns auf einer Tour erzählt, dass er nach dem Fußballspielen mit ein paar Kindern auf dem Rückweg den Müll vom Wegesrand aufgelesen hat (Feel the World nutzt übrigens den „Drecksack“ um beim Reisen die Natur von Müll zu befreien). Ohne etwas zu sagen, geschweige denn die Kinder zu belehren. Er hat es nur vorgemacht. Nach einer Weile taten es ihm die Kinder nach. Daraus wurde am Ende ein regelrechter Wettkampf um die bunten Plastikfolien.

Wenn ich meinen Jutebeutel im Hotelzimmer vergessen habe, habe ich lieber unter den verdutzten Augen des Kassierers meine Einkäufe zusammengeschichtet zurückbalanciert, als eine Plastiktüte anzunehmen. Ich hatte während meiner Südostasienreisen das Gefühl, dass die Menschen mir einiges über Dankbarkeit, Herzlichkeit, Demut, Wertschätzung und Achtsamkeit beibringen konnten. Dafür haben wir ihnen – speziell in den ländlichen Regionen – einiges an Bildung und Umweltbewusstsein voraus. Und besonders Bildung ist ein wichtiger Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit. Feel the World hat sich bereits das nachhaltigere Reisen auf die Fahne geschrieben und viele Reisegruppen nutzen ihren Spendenbetrag (der in jeder Reise integriert ist) dazu Bildungsprojekte und Schulen zu unterstützen. Aber das ist nicht genug.

Dieser Artikel ist ein Appell

Ein Appell an dich als Reisenden. Als bewussten Reisenden, denn sonst wärst du bei einem anderen Reiseveranstalter gelandet. Mein Appell lautet: Gib auf deiner Reise genauso viel zurück, wie du nimmst. Lehre so viel, wie du lernst. Du entscheidest, ob dein Gegenüber von dir lernt, dass ein Starbucks-„Kaffee“ im Plastikbecher und ein Schokoriegel der Goldstandart ist oder doch eher eine frische Mango und Wasser aus der Edelstahlflasche.

Es ist ein großartiges Gefühl nach der Reise anderen von Momenten zu erzählen, die dich berührt haben. Und es ist noch großartiger zu wissen, dass jemand in einem anderen Land, gerade ebenso eine Geschichte über einen gemeinsamen Moment mit dir erzählt oder wegen dir ein Stück Müll vom Wegesrand aufhebt. Oder?

Also ich könnte mir kaum etwas schöneres vorstellen.

Vanessa Merk

Studentin an der Hochschule Heilbronn mit dem Schwerpunkt Tourismus & Nachhaltigkeit. Derzeit Praktikantin bei Feel the World mit genau diesem Schwerpunkt. ;-)
Vanessa Merk